From the magazine forumpoenale Numéro 3/2020 | p. 215-221 The following page is 215

Der Preis der Ehre

Die strafrechtliche Ahndung von Ehrverletzungen in Zeiten des Shitstorms

I. Weder Allmacht noch Ohnmacht

«Der Gesetzgeber legiferiert oft, um die Zeit aufzuhalten, diese läuft ihm aber stets davon. Seine Botschaft erliegt ihr in fataler Weise und kommt daher oft in einem schier unkenntlichen Zustand an.»1 Diese zur Illusionslosigkeit einladende Überlegung des Tessiner Rechtshistorikers Pio Caroni ist umso wichtiger, wenn man sich einer sozusagen neuen Frage annähern will, zum Beispiel derjenigen der strafrechtlichen Handhabung von Phänomenen wie dem digitalen Ehrenangriff auf Personen oder Unternehmen. Als Stichworte seien hier Ausdrücke wie Shitstorm, Rufmord in den sozialen Netzwerken, Hasskampagnen u.Ä. genannt. So neu sind diese Vorgänge übrigens kaum, wurde doch der Terminus «Shitstorm» zum Schweizer Wort des Jahres 2011 gekürt. Wenn man darüber hinaus über eine allfällige Verschärfung der strafrechtlichen Handhabung solcher Realitäten nachdenkt, muss man sich gleichzeitig all der Nebenrisiken eines solchen Ansatzes bewusst sein. Die schleichende…

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