From the magazine forumpoenale Numéro 2/2013 | p. 104-111 The following page is 104

Strafrechtswissenschaft und Rechtsprechung des Bundesgerichts – zwei fremde Welten?1

I. Die Frage

Am Anfang steht das Thema, das gesetzt ist und Rätsel aufgibt: Zwei fremde Welten – eine Provokation? Die Frage soll, wie es Richter zu tun pflegen, in einen hermeneutischen Kontext gestellt und geklärt werden. Aus den Tiefen der Wissenschaftsgeschichte drängen sich drei Erinnerungen auf:

  • • Der Titel erinnert zunächst an die Idee der Einheit einer Weltordnung, wie sie der Philosoph Leibniz (1646–1716) vertrat. Seine Vorstellung war, dass die Welt im Innersten durch prästabilisierte Harmonie zusammengehalten werde und sich auf eine einzige Grundordnung zurückführen lasse. Damit stand er vielem, was in der Geisteswissenschaft folgte, Pate. Er darf gewissermassen als geistiger Vater jener Strömungen bezeichnet werden, die unter dem Titel «idealisiertes Strafrecht» firmieren.2 Der Traum einer einheitlichen Weltbeschreibung ist zwar ausgeträumt, weil die Welt nicht eingeteilt, sondern mitgeteilt wird. Was hingegen bleibt, ist das Wissenschaftsmotto theoria cum praxi
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