From the magazine forumpoenale Numéro 6/2019 | p. 453-457 The following page is 453

Zur Drohung mit Suizid

I. Einleitung

Wer jemanden durch schwere Drohung in Schrecken oder Angst versetzt, wird, auf Antrag, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 180 Abs 1 StGB). Gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts muss der Drohende dem Opfer ein künftiges Übel ankündigen, wobei er dessen Eintritt als von seinem Willen abhängig hinstellt. Erforderlich ist ein Übel, das geeignet ist, den Adressaten in Schrecken oder Angst zu versetzen. Dabei ist grundsätzlich ein objektiver Massstab anzulegen, wobei in der Regel auf das Empfinden eines vernünftigen Menschen mit einigermassen normaler psychischer Belastbarkeit abzustellen ist. Als geschütztes Rechtsgut wird das Sicherheitsgefühl und der innere Frieden bezeichnet («le sentiment de sécurité et la paix intérieure»).1 Dieser Beitrag setzt sich kritisch mit der Frage auseinander, ob das objektive Tatbestandsmerkmal der schweren Drohung auch erfüllt sein kann, wenn das angedrohte Übel in einer…

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