From the magazine forumpoenale Numéro 3/2020 | p. 209-214 The following page is 209

Problematik der teilweisen retrospektiven Konkurrenz

Zusammenspiel von Art. 49 Abs. 1, Abs. 2 und 46 Abs. 1 Satz 2 StGB nach der neueren Bundesgerichtspraxis

I. Begriffliches

Retrospektive Konkurrenz liegt vor, wenn eine frühere Straftat (die retrospektive Straftat) erst aufgedeckt und verfolgt wird, nachdem ein Strafurteil zu weiteren Delikten gefällt wurde.1 Bei der teilweise retrospektiven Konkurrenz sind nicht alle Straftaten, sondern nur einzelne davon retrospektiv.2 Da die Strafzumessung bei Delikten in echter Konkurrenz allgemein auf dem Prinzip der Asperation beruht (Art. 49 Abs. 1 StGB),3 stellt Art. 49 Abs. 2 StGB im Interesse der Rechtsgleichheit4 sicher, dass dieses auch bei der retrospektiven Konkurrenz zur Anwendung kommt. Demnach soll der Beschuldigte nicht schwerer bestraft werden, als wenn die strafbaren Handlungen gleichzeitig beurteilt worden wären. Das Bundesgericht stellt dabei grundsätzlich auf den Zeitpunkt der Fällung des Ersturteils ab5 und beschränkt die genannte Garantie auf inländische Strafurteile.6 Aufgrund des Grundsatzes ne bis in idem und des Verbots der reformatio in peius bleibt das Ersturteil formell…

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