From the magazine forumpoenale Heft Nr. 5/2010 | S. 307-312 The following page is 307

Gedächtnisprotokoll und Aussageverweigerungsrecht

I. Einleitung

Gedächtnisprotokolle werden möglichst unmittelbar nach einem medizinischen Zwischenfall gestützt auf die Erinnerung und persönliche Wahrnehmung des Verfassers1 erstellt. Dem Verfasser dienen sie als Erinnerungsstütze, während sie der Untersuchungsbehörde bei Verdacht auf ärztliche Behandlungsfehler wesentliche Ermittlungsansätze liefern. Sie sind ausserordentlich wertvoll für die Rekonstruktion der Geschehnisse und können sowohl belastende als auch entlastende Wirkung haben.2 Weiter dienen sie der Klärung der Prozessrollen der Medizinalpersonen, indem sie Auskunft darüber geben, wer in welcher Funktion am Vorfall beteiligt war. Gedächtnisprotokolle sind zudem hilfreich für die Beurteilung der Frage, ob das Medizinalpersonal im Rahmen seiner Tätigkeit die nach den Erkenntnissen der medizinischen Wissenschaft und Praxis unter den jeweiligen Umständen objektiv gebotene Sorgfalt beachtet hat. Weil ihnen eine zentrale Funktion zukommt, ist es wichtig, dass die…

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