From the magazine forumpoenale Heft Nr. 6/2019 | S. 448-452 The following page is 448

«You’ll get a fair trial followed by a first class hanging» – Überlegungen zur Bedeutung und zu den Voraussetzungen eines fairen Gerichtsverfahrens1

I. Einleitung

«You’ll get a fair trial followed by a first class hanging.» Der Ausspruch wird Roy Bean zugeschrieben, einem exzentrischen Saloon-Besitzer und Friedensrichter in Val Verde County in Texas. Er erlangte in Westernfilmen und Büchern den Ruf des «hanging judge», obwohl er lediglich zwei Personen zum Tod durch den Strang verurteilt hatte – wobei eine davon vor der Exekution gar noch geflohen ist.2

Unabhängig davon, was Legende und was Realität ist, scheint das Zitat als thematischer Einstieg für den vorliegenden Beitrag passend. Denn der fragwürdige Ausspruch zieht in einem einzigen kurzen Satz das Recht auf ein faires Verfahren ins Lächerliche, indem unverblümt erklärt wird: Die beschuldigte Person bekommt zwar einen fairen, den Verfahrensregeln entsprechenden Prozess. Aber Urteil und Sanktion stehen bereits zu Beginn des Verfahrens fest. Das wirft unweigerlich diejenigen Fragen auf, welche in der Einladung zur Tagung «Fair Trial – Grundpfeiler oder Feigenblatt?»

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