From the magazine forumpoenale Heft Nr. 1/2016 | S. 33-38 The following page is 33

Anklage auf Freispruch

I. Einleitung

Die Meinung der Öffentlichkeit scheint gemacht: Die Staatsanwaltschaft fordert eine Verurteilung und eine harte Bestrafung, die Verteidigung einen Freispruch oder zumindest Milde und das Gericht fällt ein unabhängiges und gerechtes Urteil. Beantragt die Staatsanwaltschaft in der Hauptverhandlung einen Freispruch, ist dies eine starke Schlagzeile wert.1

Nach h.L. und Praxis ist nicht der Grundsatz in dubio pro reo, sondern jener von in dubio pro duriore zur Beantwortung der Frage entscheidend, ob die Strafsache ans Gericht zur Beurteilung überwiesen werden soll.2 Müsste schon bei geringster Verurteilungswahrscheinlichkeit Anklage auf Schuldspruch erhoben werden, führte dies die Anklagevertretung freilich in einen inneren Konflikt, der sich seit dem schweizweiten Wechsel zum Staatsanwaltsmodell gar noch verstärkt hat. Den früheren Untersuchungsrichterinnen und Untersuchungsrichtern fiel es mutmasslich leichter, eine Anklage auf Schuldspruch zu beantragen, auch wenn sich…

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